In der Kompostierung – ob mit Würmern oder als Hitzekompost – ist das C/N-Verhältnis (Kohlenstoff zu Stickstoff) ein zentraler Faktor. Es bestimmt, wie effizient Mikroorganismen organisches Material abbauen.
Neben Feuchtigkeit und Sauerstoff sorgt ein ausgewogenes Verhältnis für einen stabilen, geruchsarmen Prozess. Zu viel Stickstoff führt schnell zu Fäulnis, zu viel Kohlenstoff bremst die Zersetzung.
Die richtige Mischung
Als Faustregel gilt:
1 Teil frische, stickstoffreiche Bioabfälle
0.5 bis 1 Teil trockene, kohlenstoffreiche Strukturmaterialien
Alternativ kannst du dich am Gewicht orientieren: Auf 1 kg Küchenabfälle kommen etwa 300–500 g trockenes, holziges Material. Da dieses deutlich leichter ist, entspricht das ungefähr dem gleichen Volumen.
Eine einfache Kontrolle: Die Mischung sollte sich anfühlen wie ein gut ausgewrungener Schwamm – feucht, aber nicht nass. Dann passt in der Regel auch das C/N-Verhältnis.

Links: Stickstoffarmes Material | Mitte: Stickstoffreiches Material | Rechts: Die ideale Mischung - Perfektes Wurmfutter
Welche Materialien gehören in den Kompost?
Nicht alle Bioabfälle sind gleich. Für eine funktionierende Kompostierung ist entscheidend, wie du stickstoffreiche und kohlenstoffreiche Materialien kombinierst.
Stickstoffreiche Materialien (grün)
Diese Materialien fördern einen schnellen Abbau, sollten aber immer mit Strukturmaterial ergänzt werden:
- Küchenabfälle (Gemüse- und Früchtereste)
- Rasenschnitt (frisch)
- Kaffeesatz
→ Wirkung: feucht, schnell zersetzbar, kann bei Übermass zu Sauerstoffmangel, Nährstoffverlusten, Fäulnis, üblen Gerüchen und teilweise zum Erliegen des Prozesses führen.
Kohlenstoffreiche Materialien (braun)
Diese Materialien sorgen als Zugabe zu stickstoffreichen Materialien für Struktur, Belüftung und einen stabilen Kompost. Die Materialien sollten weder zu gross (ganze Äste) noch zu fein (z. B. Sägemehl) sein.
- Schilf (Miscanthus) / gehacktes Stroh
- Hanf / Leinenstroh / Getreidespelz etc.
- Pflanzenstängel und grobe Gartenreste
- Strauch- und Baumschnitt (kleinmachen)
- Trockenes Laub
- Häckselgut / Holzschnitzel
- Holzspäne oder Sägemehl (nur von unbehandeltem, nicht verleimtem Holz und nur in kleinen Mengen verwenden)
→ Wirkung: trocken, locker, verhindert Fäulnis und verbessert die Struktur
Tipp: Baumschnitt etc. sollte gehäckselt oder alternativ mit einer Gartenschere in kleine Stücke (ca. 2–3 cm) zerkleinert werden. Zu grosse Stücke oder ganze Äste brauchen zu viel Platz, zudem entstehen zu grosse Zwischenräume und der Kompost kann zu schnell austrocknen. Holzschnitzel sind gut, bauen sich aber je nach Grösse nicht vollständig ab. Deshalb sollte der Kompost bei der Ernte gesiebt werden. Die Siebreste können zurück in den Kompost oder als Mulchmaterial (z. B. bei Beeren) verwendet werden.
Siehe auch unsere Fütterliste.
Warum das C/N-Verhältnis im Kompost wichtig ist
Mikroorganismen benötigen Kohlenstoff als Energiequelle und Stickstoff für ihr Wachstum. Ein ausgewogenes Verhältnis sorgt dafür, dass der Abbau effizient und stabil abläuft.
Ein Kompost, der mit «reinen» Küchenabfällen betrieben wird, benötigt regelmässig Strukturmaterial. Ein Gartenkompost hat durch die Zugabe von Gartenabraum, Wurzelballen, Strauchschnitt etc. oft bereits ein gutes Verhältnis. Hier ist es wichtig, dass die Materialien zerkleinert werden.
Liegt zu viel Stickstoff vor, entstehen schnell Fäulnisprozesse und unangenehme Gerüche. Ein Überschuss an Kohlenstoff hingegen verlangsamt die Zersetzung deutlich, ist aber weniger problematisch.
Während der Kompostierung verändert sich dieses Verhältnis laufend. Reifer Kompost ist stabil, gut abgebaut und enthält Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form.
Weitere Zuschlagstoffe und ihre Wirkung
Mineralien
Neben «grünen» und «braunen» Materialien fördern Mineralien den Abbau und die Qualität des Komposts. In einem Gartenkompost werden diese oft natürlich über Wurzelballen (und die daran haftende Erde) eingebracht. In einem Kompost mit reinen Küchenabfällen empfiehlt sich die Zugabe von Gesteinsmehl und/oder Tonmineralien.
Daraus ergibt sich die einfache Formel:
Frische Bioabfälle + Strukturmaterial + Mineralien (± 2 %) = guter Kompost
Tipp: Unser Balance Mix ist eine fix-fertige Mischung aus Strukturmaterial und Mineralien. Du kannst diese Mischung aber auch recht einfach selber herstellen – hier erklären wir dir wie.
Pflanzenkohle
Eine weitere Steigerung der Qualität des Endproduktes kann mit der Zugabe von Pflanzenkohle erreicht werden. Diese wird im Prozess „aufgeladen“ und speichert Nährstoffe. Das Resultat ist ein hochwertiger Terra-Preta-Kompost.
Frische Bioabfälle + Strukturmaterial + Mineralien (± 2 %) + Pflanzenkohle (± 5–10 %) = Terra Preta
Tipp: Durch die Zugabe von bereits reifem Kompost (± 5–10 %) wird der Kompost in der obersten Schicht mit Mikroorganismen „angeimpft“. Dies fördert den Abbau. Den reifen Kompost einfach über die frischen Abfälle streuen. Wir bieten eine Mischung aus Pflanzenkohle, Mikroorganismen, Gesteinsmehl und Tonmineralien als fertige Lösung an (Terra Preta Kompoststarter) oder die reine Pflanzenkohle.
Papier und Karton im Kompost – sinnvoll oder nicht?
Papier und Karton werden oft als Strukturmaterial empfohlen, da sie viel Kohlenstoff enthalten. In der Praxis sind sie jedoch meist nicht ideal für die Kompostierung.
Ein grosser Teil der heute verwendeten Papier- und Kartonprodukte besteht aus Recyclingmaterial. Dieses kann Rückstände von Druckfarben, Klebstoffen und anderen Zusatzstoffen enthalten, die sich im Kompost anreichern.
Auch vermeintlich „unbedruckte“ Materialien sind oft behandelt oder stammen aus Mischströmen. Wirklich unbedenklich sind nur Produkte aus Frischzellstoff mit entsprechenden Zertifizierungen (z. B. Cradle to Cradle) – diese sind jedoch selten.
Unsere Empfehlung: Verwende bevorzugt natürliche Strukturmaterialien. Sie sind biologisch sauberer, robuster im Prozess und langfristig die bessere Wahl für Boden und Pflanzen.
Kompost stinkt, ist zu nass oder hat Fliegen – was tun?
Die häufigsten Ursachen für typische Probleme sind meist einfach zu beheben:
Zu nass
Ursache: zu viele frische Abfälle, zu wenig Strukturmaterial
Lösung: trockene, kohlenstoffreiche Materialien untermischen
Zu trocken
Ursache: zu viel Strukturmaterial / zu grobes Strukturmaterial oder zu wenig frische Abfälle
Lösung: leicht anfeuchten / Strukturmaterial zerkleinern oder mehr „grünes“ Material zugeben
Unangenehmer Geruch
Ursache: zu viel Stickstoff, schlechte Belüftung
Lösung: Strukturmaterial einmischen und auflockern
Schimmel oder langsamer Abbau
Ursache: falsches Verhältnis oder zu wenig Aktivität
Lösung: Mischung anpassen und gut durchmischen
Viele Fliegen
Ursache: offene, feuchte Küchenabfälle an der Oberfläche
Lösung: mit Strukturmaterial und/oder Pflanzkohle und/oder reifem Kompost abdecken
