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    Das C/N-Verhältnis in der Praxis

    Das C/N-Verhältnis in der Praxis

    In der Kompostierung, sei es die klassische Hitzekompostierung oder die Wurmkompostierung, spielt das Verhältnis von Kohlenstoff (chemisches Zeichen «C») zu Stickstoff (chemisches Zeichen «N»), das als C/N-Verhältnis bezeichnet wird, eine entscheidende Rolle. Dieser physikalische und biochemische Faktor ist der Schlüssel zu einem stabilen und effizienten Kompostierungsprozess.

    Faustregeln für das passende C/N-Verhältnis in deinem Wurmkomposter

    Als Faustregel gilt: Zu jedem Kilogramm Küchenabfall, welcher reich an Stickstoff ist («N»), sollten etwa 300 g holzig-trockene Abfälle, die viel Kohlenstoff («C») enthalten, hinzugefügt werden. Dies entspricht ungefähr dem gleichen Volumen, da holziges Material eine geringere Dichte aufweist. Eine weitere, hilfreiche Faustregel: Wenn du trockenes, holziges Material mit frischen, feuchten Abfällen mischst und darauf achtest, dass die Mischung gut feucht, aber nicht triefend nass ist, erreichst du in der Regel das richtige C/N-Verhältnis.

    Das richtige C/N Verhältnis in der Wurmkompostierung

    Links: Stickstoffarmes Material | Mitte: Stickstoffreiches Material | Rechts: Die ideale Mischung - Perfektes Wurmfutter

    Die Mischung von «braunem» und «grünem Material» für ein optimales C/N-Verhältnis in der Wurmkompostierung

    Strukturmaterial oder Streu (auch bekannt als «braunes Material») umfasst Materialien mit einem hohen Kohlenstoffanteil. Hierzu gehören beispielsweise Karton, Papier, Stroh, Sägemehl, Holzschnitzel, Stängel, Rispen, Wurzeln und ähnliches. Diese Materialien sind in der Regel trocken und brüchig. Sie bauen sich im Kompost langsam ab, erzeugen jedoch vergleichsweise mehr Humus. Zudem tragen sie zur Belüftung bei, wodurch der reife Kompost eine angenehme Feuchte und Struktur erhält, ohne pampig und nass zu sein. Im WormUp HOME empfehlen wir, nur Stängel zu verwenden, die mit einer gewöhnlichen Schere geschnitten werden können, und das Material in etwa fingerlange Stücke zu zerkleinern.

    Im Gegensatz dazu bestehen Stickstoff- oder nährstoffreiche Materialien (auch bekannt als «grünes Material») aus Materialien mit einem hohen Stickstoffanteil, wie Gemüse- und Früchtereste, Rasenschnitt, Mist und ähnliches. Diese Materialien beginnen nach kurzer Zeit im Kompost oder wenn sie liegengelassen werden, unangenehm zu riechen. Den Geruch kennen wir nur zu gut aus dem Komposteimer in der Küche. Ein Übermass an stickstoffreichen Materialien im Kompost kann zu schädlichen Gasen führen, die sowohl für Würmer als auch für das Klima problematisch sind, wie Ammoniak oder Lachgas.

    Das C/N-Verhältnis in der Theorie

    Das C/N-Verhältnis beschreibt die Verfügbarkeit an Stickstoff im Boden oder Kompost. Das optimale C/N-Verhältnis für einen effizienten Rotteprozess liegt zwischen 25-30:1. Während des Kompostierprozesses nimmt das C/N-Verhältnis im Laufe der Zeit ab. Ein reifer Kompost, egal ob durch Wurmkompostierung oder Hitzekompostierung erzeugt, weist ein ausgeglichenes und niedrigeres C/N-Verhältnis auf, in der Regel 10-20:1. Ein niedrigeres Verhältnis deutet darauf hin, dass der Kompost gut abgebaut und stabilisiert ist.

    Unterschiede zwischen Wurmkompostierung und Hitzekompostierung

    Mikroorganismen ernähren sich von Kohlenstoff und bauen diesen ab. Da Mikroben zu einem grossen Teil aus Stickstoff bestehen, benötigen sie Stickstoff für ihr eigenes Wachstum. Ist viel Stickstoff verfügbar, vermehren sich die Mikroben sehr schnell, was zur Hitzeentwicklung führt. In der Hitzekompostierung ist dies bis zu einem gewissen Grad erwünscht, um Pathogene, also krankheitserregende Organismen, abzutöten und den Rotteprozess zu beschleunigen. Um diese Hitze zu erzeugen, ist ein grosses Kompostvolumen erforderlich. Ist jedoch zu viel Stickstoff vorhanden oder wird der Kompost nicht rechtzeitig gewendet, kann der Kompost zu heiss werden, sodass nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Mikroorganismen abgetötet werden. Im Extremfall kann der biologische Prozess in einen chemischen Verbrennungsprozess übergehen, und der Komposthaufen kann tatsächlich zu brennen beginnen. Ein gut gewendeter Hitzekomposthaufen wird jedoch auch zu einem reifen Kompost mit einem niedrigeren C/N-Verhältnis führen.

    Die Kompostierung mit Würmern ist ein Prozess ohne Hitzeentwicklung. Durch die regelmässige und schichtweise Zugabe von Abfällen entsteht keine signifikante Hitze wie bei der Hitzekompostierung. Während bei der Hitzekompostierung wesentlich mehr Technik und Aufwand erforderlich ist, um hochwertigen Kompost herzustellen, ist der Prozess bei der Wurmkompostierung denkbar einfacher – Würmer sorgen ohne menschliches Zutun für die Durchlüftung und Durchmischung der Materialien. Dennoch ist auch hier das C/N-Verhältnis für einen effizienten Rotteprozess entscheidend. 

    Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass das C/N-Verhältnis von reifem Wurmkompost in der Regel niedriger ist als das der Hitzekompostierung. Die Aktivität der Würmer trägt dazu bei, das Material effizient abzubauen. Dies führt zu einem reifen Kompost mit einem niedrigeren C/N-Verhältnis. Bei einem niedrigeren C/N-Verhältnis sind die im Kompost enthaltenen Nährstoffe für Pflanzen leichter verfügbar, was ihn zu einem ausgezeichneten Dünger macht.